Wir trauern um Robert Long!

16.12.2006

ROBERT LONG

Er war ein Stern am weiten Himmel der europäischen Popmusik. Kein greller Komet, kein blinkender Planet. Klein aber nur deshalb, weil er Lichtjahre entfernt war vom Super- und Megastarkult unserer Wegwerfbranche.

Der Holländer Robert Long verweigerte sich jedem Klischee und jeder Vereinnahmung. Erste Charterfolge in den Niederlanden machten ihn als Sänger bekannt. Weil ihn aber die Produktion von Tageshits bald anödete, begann er Lieder zu schreiben, die von seinen eigenen Gefühlen erzählten. Durch zahllose Live-Auftritte in der niederländischen Kabarettszene wurde er rasch zu einem der bekanntesten Liedermacher Hollands.

Seine Musik ist eingängig und unverkrampft emotional. Aus seinen Texten spricht ein kritischer Geist und eine verletzliche Seele. Nichts in seinen Liedern ist auf Effekt berechnet. Es gibt keine ehrlicheren Songs.

Als 1979 seine erste Platte in Deutschland erschien ( Kurz oder Long), sah sich die EMI zu Zensur genötigt. Einer der Titel (Jesus) missfiel der katholischen Kirche, die sich zu Recht angegriffen fühlte. Ein Wagnis war auch Roberts offener Umgang mit seiner Homosexualität. Dass ein Mann ein Liebeslied für einen anderen Mann sang (Warum heulst du denn), war Anfang der 80er Jahre ein Novum in der deutschen Musikbranche.

Er konnte bitter sein (Lebenslänglich), ironisch (Feste Jungs), bissig (Morgen sind wir tolerant), doch am tiefsten beeindruckte durch seine leisen Lieder. Sein trotziger Abschied vom Vater, der ihm schmerzhaft fremd geblieben war (Pa), seine Beschreibung einer tapferen Trennung (Stark sein) und seine Erinnerung an eine große Liebe (Thorbeckeplatz) sind bewegende Zeugnisse eines Empfindsamen.

In allem, was er als Künstler und Mensch tat und sagte, war Robert Long authentisch. Das Rollenspiel, die Attitüden, vor allem die Lügen in allen ihren Formen waren ihm verhasst. Wer das Glück hatte, ihm persönlich zu begegnen, lernte einen stillen, freundlichen und hochintelligenten Mann kennen. Sein Blick war offen, sein Lächeln entwaffnend, sein Auftreten bescheiden. Er war, nicht nur wegen seiner 1,92, einer der Grossen.

Robert Long ist am 13. Dezember 2006 an einer Krebserkrankung gestorben.
Mag sein, dass die Musikbranche, die ihn ohnehin weitgehend ignorierte, sein Fehlen gar nicht bemerkt. Doch für viele, die ihn kannten und nicht vergessen werden, hat sich der Himmel verdunkelt.
MICHAEL KUNZE