Hanns-Dieter Hüsch - Biographie

Im Mai 1925 wird Hanns Dieter Hüsch in Moers geboren.

Seine Heimat, der Niederrhein, wird ihn zeitlebens nicht loslassen, in seinen Programmen immer wieder auftauchen. "Alles was ich bin", bekannte er stets, "ist niederrheinisch".

Nach dem Abitur studiert Hanns Dieter Hüsch in Gießen Medizin, bricht das Studium jedoch schon bald wieder ab. Auch das folgende Studium der Theaterwissenschaft und Literaturwissenschaft in Mainz bleibt ohne Abschluss. "Ich habe an der Uni keine Seminare besucht, aber ich habe meine Texte geschrieben", sagt er.

Seit 1947 tritt er mit dem Mainzer Studentenkabarett "Die Tol(l)eranten" an verschiedenen Universitäten auf. Im selben Jahr sieht er im Düsseldorfer Kommödchen Lore Lorentz auf der Bühne - ein entscheidendes Erlebnis.

Hanns Dieter Hüsch weiß nun, dass es einen Beruf für ihn gibt: Kabarettist. Als sich die "Tol(l)eranten" 1949 auflösen, versucht er sich erstmals mit einem Solo-Programm "Das literarische Klavier". 1953 tritt er mit viel Erfolg mit dem "kritischen Oratorium für Soli, Chor und Reißnagelklavier" in Rudolf Jürgen Bartschs Zimmertheater auf.

1956 gründet Hanns Dieter Hüsch in einem Mainzer Keller die "arche nova". 1962 verlässt Hüsch die "arche" und arbeitet wieder solistisch. "Ich wusste inzwischen", sagt er, "Kabarett ist mein Leben, das wirst Du bis zum Ende Deines Lebens machen."

Nach anfänglichen Existenznöten wird Hanns Dieter Hüsch schon bald zu einem der wichtigsten und produktivsten Vertreter des literarischen Kabaretts in Deutschland. Mit sprachlichem Witz entlarvt er Kleinbürger- und Spießertum und findet sein Publikum.

Während der studentenbewegten 68er Zeit bringen ihm seine Kleinbürger -dramen prompt den Vorwurf ein, seine poetische Kraft einem "bourgeoisen Verniedlichungstrend" (Klaus Budzinski, 1966) zu opfern. Beim Folklore-Festival auf der Burg Waldeck wird er 1968 als "Kitschgemüt mit Goldbrokat" von der Bühne gebuht. Auch in den folgenden Monaten werden Hüschs Auftritte schon nach wenigen Minuten von Trillerpfeifen und Krakeelern gestört.

"Damals", erinnert sich Hanns Dieter Hüsch, "ist einer der wenigen Momente in meinem Leben gewesen, wo ich verbittert war. Das ist einfach so, wenn einem die eigenen Genossen mehr oder weniger vorwerfen, man wäre nicht genug Genosse."

Er zieht die Konsequenz, tritt vorübergehend nur noch in der Schweiz auf und tingelt mit den Kameras des ZDF in der Rolle des Reiseleiters durch die Welt. Und er synchronisiert jahrelang in den Münchner Studios die Väter der Klamotte: "Laurel und Hardy".

Ebenfalls in die 70er Jahre fällt die Erfindung der Alter-Ego-Figur "Hagenbuch", jenes nörgelnden Pedanten und spießigen Angebers, der zu einem Marken- zeichen Hüschs wird. Daneben arbeitet er weiter als Schauspieler mit einem Hang zu skurrilen Rollen. Auch hier begegnet er Spießbürgerlichkeit und Pedanterie, indem er sie karikiert. Vor allem die Rolle des Familienvaters in der ARD-Serie "Goldener Sonntag" (1976-78) macht ihn bei einem breiten Publikum bekannt.

In den folgenden Jahren wird Hanns Dieter Hüsch mit Programmen wie "Das neue Programm" (1980), "Und sie bewegt sich doch" (1985) oder "Am Niederrhein" (1986), die sich abseits des tagespolitischen Kommentar -Kabaretts bewegen, über eine eingefleischte Fangemeinde hinaus populär.

1988, nach dem Tod seiner Frau Marianne, die als "Frieda" in unzähligen seiner Stücke auftauchte, verlässt er nach Jahren seine Wahlheimat Mainz und zieht nach Köln. "Ich wollte nicht nach Moers, in meine Kinderstadt", sagt er, "weil ich dachte, Du fängst dann Deinen Lebensabend an." Statt dessen tourt er Anfang 1989 mit dem Jubiläumsprogramm "40 Jahre unterwegs" durch die Lande und heiratet 1991 noch einmal.

Es folgen weitere Programme wie "Ein neues Kapitel"(1994) und zuletzt "Sach ma nix"(1998).

Seit 1999 Jahr hat sich Hanns Dieter Hüschs Denken verändert. Damals wurde bei ihm Lungenkrebs festgestellt.

Nach den letzten Untersuchungen hat er den Krebs besiegt, aber "..ich fange jetzt sehr stark an zu zählen, öfters", sagt er.

Ende 2000 war Schluss mit Tournee.

Zum 75. Geburtstag erscheint die Doppel-CD: "Gesellschaftsabend" Der erste Teil einer Werkschau.

2001 die letzten Auftritte.

2005, zum 80. Geburtstag erscheint die Doppel-CD: "Gesellschaftsabend 2", der zweite Teil einer Werkschau.

2005 Hanns Dieter Hüsch -der Altmeister des literarischen Kabaretts in Deutschland- starb in der Nacht des 05.12.2005 im Alter von 80 Jahren.