Hannes Wader - Biographie

Hannes Wader, wurde am 23. Juni 1942 in Hoberge Uerentrop bei Bielefeld geboren. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Dekorateur. In Berlin Graphikstudium, das er aber abbrach um im Berlin der 1960er Jahre seine ersten Auftritte in Clubs und Kneipen zu spielen. Inspiriert von Georges Brassens, an dessen Bandbreite von Zynismus bis Zaertlichkeit - musikalisch nur sparsam unterlegt, aber ausgefeilt bis ins Detail - er sich in seinen ersten Gehversuchen orientiert.' 1966 trat Wader auf der Burg Waldeck auf - dort, u. a. mit Reinhard Mey.

Fuer eine erste LP ("Hannes Wader singt")entdeckte ihn 1969 Knut Kiesewetter, der dann auch als Produzent fungierte. Es folgten weitere Produktionen"Ich hatte mir noch soviel vorgenommen"/1971, "7 Lieder"/1972 und "Der Rattenfaenger"/1973). Als "Medienliebling" eignete er sich kaum - seine "Ballade vom Tankerkoenig" etwa machte ihn der Sympathie fuer die aufkommende RAF-Bewegung verdaechtig.

Mitte der 1970er Jahre wandte sich Wader dem deutschen Volkslied zu: Die LPs "Plattdeutsche Lieder" (1974), "Volkssaenger" (1975), "Hannes Wader singt Arbeiterlieder" (1978) sowie "Hannes Wader singt Shanties" (1979) stellen allerdings keine Abkehr von seinen eigentlichen Wurzeln dar, sondern den Versuch, eine Volksliedtradition wiederzubeleben, an ihre Urspruenge zu erinnern und sie vor allem von Deutschtuemelei - diese nicht unwesentlich vom Nationalsozialismus herruehrend - freizuschaufeln.

Eigene Lieder, die Wader zwischen 1974 und 1979 unveraendert weiter schrieb, enthielt 1976 die LP "Kleines Testament", deren Titelsong sich an den franzoesischen Dichter Francois Villon anlehnte. Zwischen 1980 und 1985 erschienen die LPs "Es ist an der Zeit" (1981), "Wieder unterwegs" (1982, live), "Nicht nur ich allein" (1983) und "Glut am Horizont".

1986 dann die LP "Liebeslieder". Bissig und witzig zugleich verarztete der inzwischen ueber Vierzigjaehrige noch verbliebene Kindheitswunden, gab sich kritisch wie eh und je ("Jepestinja Stepanowas Garten"), aber - und vor allem! - in glaubhafter Weise zaertlich und sanft.

Die CD "Hannes Wader singt Volkslieder" sollte eine Reminiszenz an die 1970er Jahre werden und auch der Versuch, den Neuanfang auch kommerziell erfolgreich zu starten - ein Experiment, auf das Wader sich eher halbherzig einliess und das die Erwartungen dann auch nicht erfuellte.

Besser in Form zeigte er sich 1991 mit der Produktion "Nie mehr zurueck" - ein Motto, mit dem er auch eine Zwischenbilanz zum 50. Geburtstag 1992 haette ueberschreiben koennen. Unter dem Titel "Schon so lang - 1962 bis 1992" kam eine schoene Zusammenstellung schon klassischer und auch neuerer Wader-Titel heraus, den Text zum Booklet schrieb Wader selbst.

Erkennbar wurde: Wader war nicht mehr bloss Brassens-Schueler - sein Schaffen schloss die Zusammenarbeit u. a. mit Werner Laemmerhirt, Martin Kolbe, Ralf Illenberger, Detlef Petersen (Ex-LAKE) und Lydie Auvray ein.

1996 erschien die CD "Liebe, Schnaps Tod" mit Liedern des schwedischen Dichters Carl Michael Bellman. Wader griff z. T. auf Bellman-Uebersetzungen deutscher Dichter, u. a. von Klabund, zurueck und holte sich Reinhard Mey und Klaus Hoffmann als prominente Verstaerkung ins Studio.' Nicht minder ambitioniert praesentierte er sich 1997 mit Liedern des Komponisten Franz Schubert "Hannes Wader singt Schubert"

In der Öffentlichkeit wird Hannes Wader nach wie vor kontrovers diskutiert. Seine Kritiker werden nicht müde, in ihm den ewiggestrigen Klampfenspieler zu sehen und seine Fans zu Fossilien zu stilisieren. Bei seinen vielen Konzerten aber merkt man, das er einer der wenigen "Liedermacher" ist, den eine neue Generation für sich entdeckt hat. Zu seinen Konzerten strömen nicht nur die alten 68er sondern auch deren Kinder.

Wader ist immer noch auf einem sehr eigenen Weg - und seine immer wieder neuen Aktivitäten wirken mitunter so, als habe er sich den Refrain seines bekanntesten Liedes zum Credo gemacht - die Erkenntnis nämlich, "dass nichts bleibt, wie es war".' Wader, der als Liedermacher immer wieder fuer eine Ueberraschung gut ist, lebt privat zurückgezogen und bescheiden, was schon sein Erscheinungsbild ausdrückt: Wader im Smoking oder Frack wäre unvorstellbar. Traegt er dagegen eine abgewetzte Lederjacke, Fischerhemd oder Prinz-Heinrich-Muetze, dann wirkt das nicht wie ein Kostuem aus dem Theaterfundus, hat nichts Verlogenes, kommt nicht als Bestechungsversuch des Publikums zum Tragen" beschreibt ihn Matthias Henke.